Alles Opfer?

 

„Wenn ihr alle in 10 Jahren noch bei euren Eltern wohnt, dann seid ihr Opfer – Opfer von Olympia.“ , eröffnete Bijan Tavassoli (Die Linke), die Podiumsdiskussion am Gymnasium Bondenwald.

Ca. 200 Schüler diskutierten mit Vertretern der Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft und der Vertreterin von STOP Olympia über kulturelle Aspekte der Olympia Bewerbung und stellten Fragen zur Barrierefreiheit von Sportstätten und U-Bahn Stationen. 

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Auch die generelle Flächenknappheit für Wohnungen war ein zentrales Thema der Diskussion: was mit den geplanten Sozialwohnungen nach Olympia passiere und wie nachhaltig der Wohnungsbau, aber auch das komplette Projekt Olympia 2024 sei. Marc Schemmel (SPD) betonte, dass die Sanierung von Sportstätten ohnehin wichtig sei, mit den erwarteten Zuschüssen für Hamburg der Stadt aber deutlich leichter fielen.

Auf die Befürchtung von Bijan Tavassoli, Olympia bedeute auch gleichzeitig Korruption („Wenn wir diese Spiele haben wollen, dann müssen wir auch Bestechungsgelder zahlen!“) , entgegnete Carsten Ovens (CDU-Fraktion), die Bewerbungsgegner würden „kramphaft nach Gründen suchen“, dagegen zu sein. Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) betonte, Hamburg würde sich nur für nachhaltige und faire Olympische Spiele bewerben. Dem schloss sich auch Anna Gallina (Die Grünen) nachdrücklich an und kritisierte außerdem die fehlende Risikobereitschaft der Olympia-Gegner: „Wenn wir keine Projekte mehr planen können, die länger als zwei Jahre in der Zukunft liegen, dann ist das für eine Metropole wie Hamburg ein echtes Armutszeugnis“, woraufhin STOP Olympia und die Linke erneut auf die Planungsrisiken hinwiesen.

Das Publikum war der Bewerbung gegenüber diesmal recht positiv eingestellt. Auf die Frage eines Schülers („Warum sind Sie gegen ein Sportprojekt, das für internationalen Frieden steht?“) war es Krzystof Walczak, Vertreter AfD-Fraktion wichtig, zu betonen, dass die Ablehnung der AfD hauptsächlich auf finanziellen Gründen und der Unkalkulierbarkeit der Kosten basiere: „Alles gute Gründe, aber dafür brauchen wir kein Olympia“. Dem pflichtete Korinna Krön für STOP Olympia bei: „Hamburg ist weltoffen. Dazu brauchen wir keine olympischen Spiele“.

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Bei den rund 140 Schülern der Gewerbeschule Werft und Hafen war die Stimmung weitaus kritischer. Das Podium, dieses Mal mit vier Vertretern der Hamburgischen Bürgerschaft und einer Vertreterin von STOP Olympia, stelle Fragen wie: „Was passiert nach den Spielen mit dem Olympiastadion?“ oder „Welche langfristigen Vorteile haben wir als Schüler von Olympia?“. Hauptthema der Diskussion waren soziale Fragen, was Obdachlose und Flüchtlinge von Olympia hätten und warum das Geld nicht stattdessen für soziale Projekte, Wohnungsbau oder Flüchtlingshilfe verwendet würde.

Prof. Dr. Jörn Kruse (AfD-Fraktion) versicherte bei der Gelegenheit, dass mit Ausnahme des Olympiastadions alles darauf ausgerichtet sei, der Stadt auch nach den Olympischen Spielen noch zu nutzen. Auch Juliane Timmermann (SPD-Fraktion) betonte: „Es ist sicherlich noch nicht alles rosa, aber wir sind auf einem guten Weg.“