Dialog in Zerbst

Die angehenden Kinderpflegerinnen und -pfleger in der Euroakademie eröffneten die Fragerunde ganz praktisch mit der Frage nach Ernährung und Gesundheit. Der Veggie Day erregte Anstoß – Tom Assmann von der Grünen Jugend erklärte das oft verkürzt zitierte Konzept noch einmal ausführlich und zitierte auch Bärbel Höhn mit der Forderung nach Recht auf Sonntagsbraten statt jeden Tag Billigschnitzel: https://twitter.com/baerbelhoehn/status/557646217686310914. Tom Assmann, Grüne Jugend: Fleischkonsum solle nicht verboten, nur seine Normalität in Frage gestellt werden – sie sei ein neues Phänomen, das als solches zu erkennen sei. Wer Fleisch essen wolle, solle bitte bewusst konsumieren und bessere Bedingungen in der Tierhaltung durch Kaufentscheidung bewusst fördern – oder eben auch gelegentlich auf Fleisch verzichten, auch so sei eine gesunde Ernährung möglich. Andere Jugendorganisationen legten mit eigenen aus ihrer Sicht misslungenen oder schlecht kommunizierten Kampagnen nach – vor Irrwegen waren und sind sie alle nicht gefeit.

Vom Schulessen und der Diskussion über Versorger und den Sinn und Unsinn von Kindergelderhöhungen im Vergleich zu direkten Investitionen in Mahlzeiten wurden verschiedene Modelle diskutiert, Kindergeld zu steuern oder nach Einkommensklassen zu staffeln. Dies komme besonders benachteiligten Familien zugute – aus dem Publikum kam dazu das Beispiel von im Verein engagierten unbegleiteten Flüchtlingen, für die vieles z.B. von Sportvereinen zusammengesucht werden müsse.

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Alle Jugendorganisationen forderten eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten, um die Integration zu erleichtern – 19.000 Menschen sollten für ein Land wie Sachsen-Anhalt mit ca. 2,1 Millionen Einwohner zu verkraften sein. Insgesamt sei die Zahl der Ankommenden in Deutschland aber zu viel und überfordere offensichtlich die bestehenden Strukturen und inzwischen auch das Ehrenamt, gab Frank Wyczewski von der Jungen Union zu Protokoll. Das Beispiel von einem bestehenden Deutschkursangebot im ländlichen Raum, das wegen mangelnder Teilnehmerzahl – nicht aufgrund einer geringen Zahl von Geflüchteten am Ort – in die nächstgrößere Stadt verlegt würde, sorgte bei allen Podiumsteilnehmenden für Kopfschütteln, hier würden sie sich noch einmal erkundigen. Offensichtlich werde das Kursangebot nicht ordentlich kommuniziert – die Verwaltung sei in einer Bringschuld, um die auf Landesebene gefällten Beschlüsse, dezentrale Unterbringung zu fördern, auch umzusetzen. Wo keine Deutschkurse angeboten würden, zögen die Deutschlerner aber eher wieder weg.

Beim Thema Integration von Minderjährigen zeigten setzten sich der Vertreter der Linksjugend und der Jungen Union noch einmal deutlich voneinander ab, wir hatten sie fahrlässigerweise nebeneinander platziert. Nachdem die Diskutanten im direkten Ping-Pong der Diskussion noch einmal in Schwung gebracht hatten, fanden sie aber schnell wieder zueinander und teilten sich die letzte Flasche Wasser, ein spontaner Szenenapplaus beendete die Episode.

Fotos: Jonas Walzberg Photographie