„Olympia, das kann ziemlich geil werden!“

Wir beginnen heute unsere ‚It’s Your Choice‘-Tour am Walddörfer Gymnasium. Die Aula ist mit ca. 350 Schülern bis auf den letzten Platz gefüllt. Moderator Bernd Fiedler und der Schulleiter des Gymnasiums halten ein Eingangsstatement gegen den Terror, der die letzten Tage Paris und ganz Europa erreicht hat.

Da es zu Beginn noch keine Fragen aus der Schülerschaft gibt, stellt der Moderator die erste: „Flüchtlinge in Zelten, Terror in Europa – Macht es überhaupt noch Spaß jetzt für Olympia zu werben?“

Andreas Dressel von der SPD-Fraktion antwortet: „Ich glaube nicht, dass das der Spaß im Vordergrund stehen soll. Wir sind die einzige Bewerberstadt, die ihre Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden lässt. Wir sind eine weltoffene Stadt, die diese Spiele hier sehr gut ausrichten könnte. Sport ist das beste Integrationsmittel. Und gerade deswegen sind die Flüchtlingskrise und Olympia kein Widerspruch, sondern eine Chance für Integration. Und auch gerade wegen der Anschläge, die jetzt passiert sind, sollten wir zeigen, dass wir keine Angst haben, dass wir Olympia jetzt erst recht wollen.“ Daniel Weßling (STOP Olympia) widerspricht: „Das klingt ja alles ganz schön, aber Olympia ist schon lange nicht mehr nur ein Sportereignis. Es ist ein Kommerzereignis, das hat nichts mit Integration zu tun. Und Flüchtlinge zu integrieren kostet eine Menge Geld. Im Endeffekt werden wir uns irgendwann entscheiden müssen zwischen Olympia und Flüchtlingen. Und ich finde, wir sollen uns dann für die Flüchtlinge entscheiden.“ Niclas Heins (Vertreter CDU-Fraktion) sieht das kritisch: „Ich finde es in so einer Debatte ganz schädlich, Flüchtlinge und Olympia gegeneinander ausspielen zu wollen. Hamburg ist wirtschaftlich so gut aufgestellt, dass wir auf jeden Fall beides stemmen können.“

DSC_0282

Die erste Schülerfrage bezieht sich auf die Werbung der Olympia-Befürworter: „Ich sehe überall in der Stadt Plakate und Werbung, aber nur für Olympia. Aber warum drückt man den Bürgern diese festgesetzte Meinung so auf? Warum gibt es nicht solche Schilder wie ‚Sei wählerisch?‘, dass die Menschen aufgeklärt werden und sich ihre Meinung selbst bilden können?“

Andreas Dressel von der SPD-Fraktion merkt an: „Also ich sehe auch viele Nein-Plakate. Es ist ein bisschen ein Wahlkampf, und das ist auch in Ordnung so. Unsere Plakate, da steht unten SPD drauf wurden von der Partei bezahlt. Uns ist es wichtig, dass Pro und Contra gleichberechtigt zu Wort kommen, damit es ein transparenter Wahlkampf ist und die Bürgerinnen und Bürger frei entscheiden können.“ Rainer Behrens von der Fraktion Die Linke sieht ungleiche Chancen: „Ich denke, ihr hattet hier wenig Chance die Contra-Argumente zu sehen, da unsere Plakate hier im Stadtteil abgerissen wurden, leider. Aber ich finde es super, dass das hier angesprochen wurde. Es geht so vielen Menschen schon auf die Nerven, dass diese nichtssagende Kampagne, die nur auf Emotionen abzielt, ohne Fakten zu nennen, in der Stadt plakatiert wurde, dass kostenlose Zeitungen der Bild mit dem Thema im Briefkasten liegen. Und es ist toll, dass schon 50% der Hamburgerinnen und Hamburger ihren Kopf wieder eingeschaltet haben und die ganze Sache endlich kritisch zu sehen.“

Eine Schülerinnen wollte wissen, wie gut denn überhaupt die Chancen für Hamburg sind, dass man als Bewerber angenommen wird.

Andreas Dressel von der SPD-Fraktion entgegnet: „Hamburg hat ein Angebot gemacht für kleinere, transparentere, nachhaltige Spiele. Und wenn der IOC wirklich dabei ist sich zu verändern, wie sie sagen, dann haben wir eine große Chance. Es ist eben ein besonderes Angebot und wir hoffen natürlich, dass dieses Konzept angenommen wird.

DSC_0304

Eine weitere Frage kommt bei den Schülern auf: „In London sind die Mieten durch Olympia extrem gestiegen, wie sieht das hier aus?“

Olaf Duge (Die Grünen) erklärt: „Über 70% der Wohnungen in London sind Eigentumswohnungen. Da gibt es nicht so was wie Mieterspiegel oder soziale Verhaltensverordnungen. Man kann das absolut nicht mit Hamburg vergleichen. Und wir haben hier einen sehr sozialen Wohnungsmarkt. Außerdem streben wir eine große Vermischung der unterschiedlichen Menschen an. Es gibt schon viele Konzepte dafür. Wir wollen aber nicht das ganze Grüne, was wir hier haben zerstören, da muss keine Angst bestehen.“

Der Terroranschlag vom Wochenende ist immer noch aktuell in den Köpfen der Schülerschaft. Eine Frage ist: „Wie sieht es, im Bezug gerade auch, was in Paris passiert ist, mit der Sicherheit für Hamburg während Olympia aus?“

Dr. Kurt Duwe von der FDP-Fraktion dazu: „Wir wissen nicht, was 2024 sein wird. Aber gerade zu dem Thema, was jetzt passiert ist, dürfen wir nicht sagen, dass wir deswegen keine Großveranstaltungen mehr haben wollen. Diese Dinge, so schlimm sie auch sind, können nicht nur bei Olympia passieren. Dann dürften wir auch keinen Marathon oder ähnliches veranstalten.“.

DSC_0277

An der Stadtteilschule Bergstedt gibt es viel zu tun, denn Hamburg1 ist da. Es werden Schülermoderatoren gesucht, die Wassergläser sehen noch nicht und ein Namensschild musste ebenfalls ausgetauscht werden. Um kurz nach 12 ist dann aber alles bereit für die Diskussion und die Kameraaufnahmen.

Die 300 Schüler sind gut vorbereitet: „Wie soll Olympia geregelt werden, ohne dass Hamburg komplett überwacht wird? Das klappt doch nie!“

Andreas Dressel (SPD-Fraktion) ist überzeugt: „Das kriegen wir hin! Wir haben während Großveranstaltungen die der WM schon Erfahrungen im Punkt Sicherheit gemacht und wissen, wie wir da agieren müssen. Wir nutzen dafür auch die Bundespolizei sowie Unterstüzung aus anderen Bundesländern. Dafür brauchen wir aber nicht in ganz Hamburg Kameras aufhängen.“

Mit Olympia kommen ja auch eine Menge Menschen in die Stadt. Wir haben ja jetzt schon Probleme mit der Infrastruktur, wie soll Hamburg das denn schaffen?“, wollen die Schüler wissen.

Dr. Kurt Duwe (FDP-Fraktion) merkt an, dass in den eingeplanten Kosten für Olympia auch Geld für den Ausbau der Infrastruktur mit drin sei. Dieter von Kroge (STOP Olympia) findet die Verkehrssituation während der Olympischen Spiele trotzdem problematisch: „Es wird auch Olympic Lanes geben, wie in London, ohne geht das gar nicht. Zusätzlich zu dem jetzigen Verkehrschaos sind dann also noch 16 Tage lang Spuren für die Olympia Teilnehmer gesperrt, die wir dann nicht nutzen können. Das wird ein riesen Chaos geben.“

Markus Ruschke (CDU-Fraktion): „Es gibt ja auch Beispiele dafür, dass Olympia die Infrastruktur in einer Stadt vorantreiben kann. München hat in dem Bereich zum Beispiel extrem von Olympia profitiert. Ich traue Hamburg zu, dass wir 2024 soweit sind, dass wir die ganzen Besucher ohne Probleme in unsere Infrastruktur aufnehmen können.“

Prof. Dr. Jörn Kruse (AfD-Fraktion) fügt hinzu: „Für Olympia werden Dinge gebaut, die man sowieso braucht und die man auch sowieso baut, nur mit Olympia geht es halt schneller. Die hohen Besucherzahlen können wir auch bewältigen, unter anderem indem wir den Takt erhöhen. Dann fahren die U- und S-Bahnen für die Zeit während Olympia einfach öfter.“

Die Schüler haben weitere Sorgen: „Das wird doch auch eine enorme Umweltbelastung, wenn so viele Menschen nach Hamburg kommen!“

Olaf Duge (Die Grünen): „Der Autoverkehr während Olympia soll reduziert werden, gerade auf dem Kleinen Grasbrook. Auch die Wohnungen dort sollen nach einem hohen ökonomischen Standard gebaut werden. Wir sind gerade dabei, uns noch weitere Konzepte zu überlegen, die den Energieverbrauch weiter senken sollen. Zur Nachhaltigkeit gehört aber auch die Nutzung der Bauten nach Olympia. Die Sportstätten werden hinterher ja nicht wieder abgerissen, die werden weiter genutzt. Mit so einem durchdachten Konzept wie dem unseren können wir etwas neuartiges, etwas innovatives mit in die Olympischen Spiele einbringen.“

Rainer Behrens (Fraktion Die Linke) sieht das anders: „Der Zukunftsrat und auch der NaBu haben erhebliche Bedenken, was Olympia in Hamburg angeht und haben gesagt, dass sie das unter den jetzigen Gesichtspunkten nicht empfehlen können. Wirklich nachhaltige Olympische Spiele sind einfach nicht möglich.“

Andreas Dressel (SPD-Fraktion) gibt zu: „Natürlich, es gibt immer kritische Stimmen, aber man muss auch mal sagen: wir sind die einzige Bewerberstadt, die ihre Bürger mitentscheiden lässt. Demokratischer, nachhaltiger und kritikaufnehmender kann man das Ganze doch gar nicht organisieren!“

Ein Schüler möchte wissen: „Wie soll das denn in den neun Jahren bis Olympia mit dem Ausbau der Infrastruktur funktionieren? Das klappt doch jetzt schon nicht mit den ganzen Baustellen.“

Olaf Duge (Die Grünen) ist optimistisch: „Wir sind momentan in einem Zustand, der so weit ist, wie bisher noch nie eine Olympiastadt in der detaillierten Planung gewesen ist.“

Dieter von Kroge (STOP Olympia) denkt noch weiter: „Die ganzen Betriebe auf dem Kleinen Grasbrook, die sollen jetzt alle umgesiedelt werden. Der Großteil des Bodens besteht aus Sand und Matsch, da ein Stadion zu bauen ist schonmal eine riesige Herausforderung. Und bezahlen dürft ihr das dann in neun Jahren mit euren Steuern. Viele von denen, die das jetzt entscheiden, die beziehen dann ihre Rente, denen kann das egal sein.“

Markus Ruschke (CDU-Fraktion): „Das ist jetzt aber ein kleines Märchen, was sie da gerade erzählt haben. Eins der Ziele ist zum Beispiel, die Kosten mit privaten Investoren abzudecken, so dass der Steuerzahler gar nicht belastet wird. London hat das geschafft und die haben sogar Plus gemacht. Es ist doch auch viel besser, diese Chance jetzt zu riskieren als später zu sagen, wir hatten diese Chance, haben sie aber nicht genutzt.“

Einer der Schüler stimmt den Olympia Befürwortern mit ganzem Herzen zu: „Wenn man so ein großes Event in Hamburg haben möchte, dann muss man eben ein Risiko eingehen. Klar kostet das Geld und klar kann auch mal was nicht so laufen, wie geplant, aber wenn alle Faktoren zusammen spielen, dann kann das ziemlich geil werden!“