Panini Sticker für Olympia?

Nach zwei Wochen Herbstferien geht es am Montag an der Beruflichen Schule Farmsen mit ca. 90 Schülern weiter: eine Schülerin, die selbst regelmäßig in Klein Flottbek zum Reiten fährt, fragt sich und das Podium, wie die Olympia-Besucher zur geplanten Pferderennbahn kommen sollen, Bus und S- Bahn wären damit vollkommen überfordert. Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) und Lars Pochnicht (SPD-Fraktion) versichern, dass das hohe Zuschaueraufkommen auf jeden Fall mit einberechnet sei und es da keine Probleme geben würde. 

Sehr interessiert waren die Schüler auch an der Finanzierung des Sportereignisses: „Warum sollte man überhaupt das Risiko eingehen, dass Hamburg sich am Ende mit den Olympischen Spielen verschuldet?“ Rainer Behrens (Fraktion Die Linke) stimmt dem zu: „Die Kostenaufstellung für Olympia ist keine vernünftige Kalkulation, es ist immer noch eine Schätzung. Wenn Geld für Olympia umgeschichtet wird, dann fehlt es natürlich woanders auch!“

Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) glaubt an eine realistische Planung von Olympia: „Bei der Elbphilharmonie wurden die Pläne ständig geändert, das soll bei dem Olympia Station nicht passieren. Da stehen die Pläne von Anfang an fest. Olaf Scholz hat auch ganz klar gesagt, wenn der Bund keine Gelder dazuzahlt, dann wird die Bewerbung eben nicht passieren.“

Dieter von Kroge (STOP Olympia) entgegnet: „Der Bund hat bisher nicht gesagt, dass er Hamburg die Olympischen Spiele bezahlt. Es zeichnet sich auch nach dem Referendum eine Ablehnung ab und dann bleibt Hamburg am Ende auf den Kosten sitzen. Die Millionen, die Hamburg jetzt schon für die Bewerbung ausgegeben hat, hätte man viel sinnvoller ausgeben können, z.B. für Wohnungsbau oder auch für Schulsportstätten.“

Manchen Schülern kommt das Referendum komisch vor: „Ich war vor ein paar Tagen im Supermarkt und habe gesehen, dass von Panini schon Olympia Sticker verkauft werden. Ist das Referendum denn überhaupt noch eine richtige Wahl oder steht eh schon fest, dass Hamburg die Olympischen Spiele macht?“ Carl Coste (Vertreter der FDP Fraktion) hat die Panini-Sticker noch gar nicht gesehen: „Das hat auch gar nichts damit zu tun. Wenn ihr beim Referendum mit ’nein‘ stimmt, dann bewerben wir uns eben nicht für Olympia. Und die Entscheidung, wo Olympia letztendlich stattfindet, die fällt ja nicht am 29. November in Hamburg, das entscheidet das IOC.“

Lars Pochnicht (SPD-Fraktion) bestätigt: „Wenn es keine Zustimmung am 29. November gibt, dann wird es auch keine Bewerbung geben, da kann Panini so viele Sticker drucken, wie sie wollen.“

Rainer Behrens (Fraktion Die Linke) will Hamburg keinen Blanko Scheck für Olympia ausstellen und erst genaue Zahlen sehen. Deshalb schließt er eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2028 auch nicht aus.

 

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Am Gymnasium Grootmoor (150 Schüler) und auch am Johannes-Brahms-Gymnasium (140 Schüler) sind die Themen ähnlich. Was Olympia ihrer Schule bringe und wie das Ganze finanziert werden soll, wollen die Schüler wissen.

Niklas Rübke (Vertreter Fraktion Die Linke) stellt gleich zu Anfang klar: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Olympia, das sind Werte, hinter denen wir auch stehen. Das Ganze bringt so dem Breitensport allerdings gar nichts, die kleinen Sportvereine werden letztendlich nichts von den Sanierungen der großen Sportstätten haben.“

Vertreter von STOP Olympia, Daniel Weßling, geht selbst auf das Gymnasium Grootmoor: „Es ist toll, dass wir hier viel Sport machen, an der Schule, beim Rudersport bin ich z.B. auch immer mit dabei. Es stimmt aber: die großen Sportstätten werden saniert, uns bringt das hier nichts. Das Ding ist: wenn Sportstätten gebraucht werden, dann werden die auch saniert. Das kann man auch alles ohne Olympia schaffen. Durch Olympia kommt nicht mehr Stadtentwicklung nach Hamburg, die Stadtentwicklung wird eigentlich nur auf den Kleinen Grasbrook zentriert.“

Carl Coste (Vertreter FDP-Fraktion) erklärt, dass Hamburg die Mittel für die Stadtentwicklung vom Bund ohne Olympia gar nicht kriegen würde, außerdem „profitiert der Breitensport sehr wohl von Olympia. Es werden z.B. Schwimmhallen und Hockeyfelder für Olympia saniert, auch in den umliegenden Stadtteilen.“

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Die Schüler interessiert, woher das Geld für Olympia eigentlich kommt: „Wenn wir so viel Geld für Olympia ausgeben, wird das dann in anderen Bereichen gekürzt, z.B. bei der Flüchtlingshilfe?“ Carl Coste (Vertreter FDP-Fraktion) will beruhigen: „Nur weil wir jetzt Olympia veranstalten, werden wir den Flüchtlingen nichts kürzen. Für Olympia, werden wir die anderen Sachen nicht zurückstellen.“ Niklas Rübke (Vertreter Fraktion Die Linke) sieht die Probleme nicht nur bei der Finanzierung: „Für Olympia wird ja auch Personal gebraucht und davon werden jetzt gerade ganz viele abgezogen, um sich um Olympia zu kümmern. Das fehlt dann bei der Flüchtlingshilfe.“ Lars Pochnicht (SPD-Fraktion) widerspricht: „Es gibt keinen Bereich, in dem gegenwärtig so viele Leute abgstellt werden wie für die Flüchtlingshilfe. Für Olympia brauchen wir dann ja auch ganz andere Fachkräfte.“

So leicht lassen sich die Schüler aber nicht abfertigen. Sie wollen wissen: „Wie wollen Sie jetzt schon eine realistische Schätzung der Kosten vorlegen?“

Lars Pochnicht (SPD-Fraktion) sagt dazu: „Die Summe, die wir für Olympia eingeplant haben, wirkt jetzt erstmal extrem hoch. Das liegt aber auch daran, dass wir das seriös durchgeplant haben und Dinge wie z.B. die Inflationsrate und einen Puffer für ungeplante Kosten mit eingebaut haben.“ Niklas Rübke (Vertreter Fraktion Die Linke): „Da können wir uns nicht drauf verlassen. Ich habe Angst, dass sich da noch viel an dem Plan ändert. Das Stadium für Olympia muss 2024 fertig sein, da können wir uns dann nicht mehr rausreden.“

Viele kritische Fragen kamen außerdem zu den Themen Transparenz und Korruption, auch die aktuelle Schlagzeilen, die WM 2006 sei gekauft, kam zur Sprache. Lars Pochnicht (SPD-Fraktion) hat wenig Bedenken: „Klar, Korruption kann man nie ausschließen, trotzdem kann man den IOC nicht mit der Fifa vergleichen. Ich denke, man kann da schon das Vertrauen haben, dass bei Olympia 2024 keine Korruption stattfindet.“ Daniel Weßling (STOP Olympia) sieht das kritischer: „Der Spiegel schreibt viel, wenn der Tag lang ist, deshalb müssen wir ihm ja nicht alles glauben. Dass die Fifa korrupt ist, ist ja kein Geheimnis, aber ich denke, dass das auch für den IOC zutrifft, das sind ja die gleichen Mechanismen.“

Carl Coste (Vertreter FDP-Fraktion) stellt zum Schluss noch einmal klar: „Zur Korruption braucht man immer noch zwei Seiten und Hamburg wird keine korrupten Spiele machen!“

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