Selfie-Alarm bei IYC

Am Donnerstag waren wir mit „It’s Your Choice“ an der Gretel-Bergmann Schule, dem Luisen Gymnasium Bergedorf und dem Gymnasium Allermöhe.

Am Luisen Gymnasium Bergedorf, erwarten uns ca. 300 Schüler. Ein Reporter der Hamburger Morgenpost führt gemeinsam mit einer Schülerin durch die Veranstaltung. Direkt nach einer kurzen Einführung kommt auch schon erste Frage von den Schülern. Diese bezieht sich speziell auf ihren Stadtteil: „Hat denn auch Bergedorf einen Nutzen von Olympia?“  Christiane Blömeke von den Grünen dazu: „Natürlich hat auch Bergedorf einen Nutzen. Es werden viele Sportstätten saniert und neu gebaut. Der Sportverein in eurem Stadtteil profitiert davon, dadurch natürlich auch ihr, wenn ihr Sport macht. Es werden aber auch neue Wohnungen gebaut, die Infrastruktur wird verbessert. Dadurch habt ihr natürlich Vorteile.“

Florian Kasiske von STOP Olympia greift das Thema Wohnungsbau im Allgemeinen auf: „Ich finde es immer wieder dreist, wenn gesagt wird, es entstehen neue Wohnungen für alle. Es entstehen am Kleinen Grasbrook 8000 neue Wohnungen, ja. Aber diese Wohnungen werden sehr teuer werden. 1/3 der Wohnungen sollen Sozialwohnungen werden. Aber nach 15 Jahren gilt diese Unterstützung nicht mehr. Dann können die Mieten auf den gleichen Preis ansteigen. Wir brauchen keine neuen Wohnungen für Reiche. Wir brauchen mehr Wohnungen für sozialschwächere in Hamburg, die darauf angewiesen sind.“

Der Moderator wirft eine weitere Frage in das Plenum: „Es wird ja momentan viel mit Zahlen um sich geworfen. Wie soll das restliche Geld reinkommen?“ Mehmet Yildiz (Fraktion Die Linke) meint dazu: „Die Durchführungskosten sollen vom Olympischen Komitee bezahlt werden und man hofft durch Sponsoren und Eintrittskarten weitere Milliarden einzunehmen und damit zu finanzieren.“ Florian Kasiske (STOP Olympia) fügt noch hinzu: „Solche Events gelten als eine der größten finanziellen Risikogruppen. Anders als bei der Elbphilharmonie, die dann eben 10 Jahre später eröffnet wird, ist das bei Olympia nicht möglich. Man kann nicht sagen, dass man die Spiele dann einfach um ein paar Jahre verschiebt. Baufirmen haben dadurch die Chance, großen Druck auszuüben.“

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Eine Schülerin hat eine weitere Frage zur Mobilität während Olympia: „Im Berufsverkehr ist Hamburg jetzt schon überlastet. Wie soll das dann zu der Zeit werden?“ Yasmin Wienegge (Vertreter der FDP-Fraktion) kann beruhigen: „Die Mobilitätspläne sehen so aus, dass das Mobilitätsnetz ausgebaut wird. Es wird alles beschleunigt und soll nicht erst später ausgebaut werden. Hamburg bekommt durch den Kleinen Grassbrook eine neue U-Bahn-Strecke. Es soll sowieso viel zu Fuß möglich sein, da die Sportstätten nahe aneinander liegen.“ Nach kurzem Eingreifen von Mehmet Yildiz (Fraktion Die Linke), äußert sich auch Jakub Wozniak (Vertreter der SPD-Fraktion) noch zu der Aussage: „Die Linke will aber auch immer alles schwarz sehen und baut sich hier eine Parallelwelt auf. Jasmin hat das genau richtig erklärt und ich hätte das gar nicht besser sagen können. Ich wollte mich nur mal kurz auskotzen.“

„Aber wird durch Olympia Hamburg nicht auch viel bekannter in der Welt? Und bringt uns der Tourismus nicht auch weiter?“, war eine Frage, die ein Schüler besonders interessiert hat. Christiane Blömeke von den Grünen stimmt zu: „Deinen wirtschaftlichen Gedanken finde ich super. Auch im Normalfall sind jetzt schon Touristen in Hamburg und bringen Geld mit. Das wird während Olympia natürlich noch viel mehr. Hamburg wird in den sechs Wochen durch den Tourismus stark profitieren. Aber wir wollen ja nicht nur in sechs Wochen denken, auch danach werden viele Investoren nach Hamburg kommen, da Hamburg bekannter in der Welt ist.“

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Die Frage, was die Schüler im Alter von Mitte 20 Jahren von Olympia dann haben, beantwortet Jakub Wozniak (Vertreter der SPD-Fraktion): „Und zu der Frage, was man davon hat, wenn man dann 20 Jahre alt ist: man hat auf jeden Fall was davon. Das Olympiastadion wird zurückgebaut, da entstehen neue Wohnungen und eine Arena für weitere Sportveranstaltungen. Ein neues Schwimmbad entsteht, was auch ihr nutzen könnt, die Infrastruktur verbessert sich. Ihr habt also auf jeden Fall was davon.“

Nach hitzigen Diskussionen auf dem Podium sorgte eine Anmerkung einer Schülerin für Begeisterung in Saal: „Ich wünsche mir hier mal wieder mehr Information und weniger Manipulation. Sie sitzen hier und erzählen uns Sachen, die weder durch Fakten noch Zahlen belegt sind. Dann hätten wir uns hier auch selbst hinsetzen können und uns streiten können.“

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An dem Gymnasium Allermöhe erwarten uns ca. 280 Schülerinnen und Schüler. Der Moderator stellt die erste Frage: „Diese ganzen Großprojekte werden immer teurer und werden nie fertig. Wie soll das mit Olympia dann klappen?“ Herbert Krönker von den Grünen argumentiert dazu: „Olaf Scholz hat extra betont, dass Olympia kein weiteres Gespenst werden wird, das sich hinter der Elbphilharmonie einfügt. Es wurde bewusst gesagt, dass Hamburg 1,2 Milliarden zu Olympia dazu geben kann. Mehr nicht. Der Bund muss die größte Summe von über sechs Milliarden tragen. Olympia kann am Geld scheitern, das kann natürlich passieren, wenn der Bund dieses Geld nicht zahlen möchte. Hamburg aber wird nicht mehr zahlen.“

Die erste Frage eines Schülers ist: „Wie soll Hamburg die ganzen Kosten tragen, wenn schon jetzt so hohe Kosten für Hamburg anfallen z.B. für Flüchtlinge?“ Jürgen von Witte (CDU-Fraktion) antwortet eher oberflächlich: „Wir müssen ca. 200 Milliarden jährlich zurücklegen, um unseren Eigenanteil stemmen zu können. Durch gute, seriöse Finanzpolitik werden wir das schaffen.“ Mehmet Yildiz (Fraktion Die Linke) hat Einwände: „Egal was hier gesagt wird, es steht im Vertrag zwischen dem IOC und Hamburg, dass Hamburg komplett für dieses Fest haftet, wenn etwas nicht klappt. Sie sind komplett verantwortlich. Wenn die Kalkulation nicht stimmt, dann muss Hamburg trotzdem zahlen.“

Eine Schülerin stellte die grundsätzliche Frage: „Wenn der Bund jetzt schon sagt, er will die sechs Milliarden nicht zahlen, warum sollen wir jetzt überhaupt noch dafür stimmen?“ Jakub Wozniak (Vertreter der SPD-Fraktion) widerspricht: „Der Bund hat gar nicht gesagt, dass er die Bewerbung nicht unterstützt, er prüft natürlich aber erstmal die Zahlen genau, da es um große Summen geht. Es geht bei dieser Bewerbung um Olympische Spiele in Deutschland, mit dem Standort in Hamburg. Es ist also eine landesweite Bewerbung. Deswegen hat natürlich auch der Bund Interesse daran, dieses Event nach Deutschland zu holen. Warum wir die Bürgerinnen und Bürger jetzt schon im Referendum fragen liegt daran, dass sie dann noch mitentscheiden können. In einem Jahr wäre das zu spät und dann würden die Kritiker einem genau wieder das vorwerfen.“

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Sorgen bereiten den Schülern auch die Frage, was passiert, wenn Hamburg den Zuschlag bekommt, anfängt die Stadien zu bauen und das Geld dann aber trotzdem nicht reicht. Und ob man dann aufhören würde zu bauen. Jürgen von Witte von der CDU-Fraktion erklärt: „Natürlich wird dann nicht aufgehört zu bauen und es wird auch keine Kostenexplosion geben. Durch die Städte, die vorher Olympia ausgerichtet haben, haben wir gelernt und die Kosten jetzt besser kalkuliert.“

Herbert Krönker (Die Grünen) beschwert sich zunächst über die Argumentation seiner Mitdiskutanten und verteidigt im Anschluss Hamburgs Idee von den Olympischen Spielen: „Es ist sehr schwierig, differenziert zu diskutieren, wenn die Olympia Gegner so pauschal argumentieren. Wenn das IOC alte Spiele nach alter Machart will, dann gehen die woanders hin, das wollen wir auch gar nicht. Wenn das IOC aber eine andere, eine neue Auffassung von Olympia hat, dann sind wir dabei. Wir haben sehr ambitionierte Pläne für Olympia vorgelegt, die wir dann auch umsetzen wollen.“

Die Schüler glauben nicht an gleichbleibende Mietpreise nach Olympia: „Werden die Mieten wirklich so niedrig bleiben? Die werden doch bestimmt teurer, wenn die Olympischen Spiele nach Hamburg kommen.“ Florian Kasiske (STOP-Olympia) stimmt dem zu: „Wenn viel gebaut wird, wer sind denn dann die Leidtragenden? Das seid ihr! Es stimmt einfach nicht, dass die Mieten gleich bleiben, im Gegenteil, die Mieten werden enorm steigen, das erleben wir in allen Olympia Städten.“

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