Was bringt Deutschlands Zukunft?

0,5% der jungen Menschen in Sachsen-Anhalt sind Mitglieder einer Partei. Vier seltene Vertreter einer der vier Landtags-Jugendorganisationen kamen am Donnerstag in die Europaschule Gymnasium Gommern, um mit den Schülerinnen und Schülern über die Wahl, Jugendbeteiligung, Schul- und Flüchtlingspolitik zu diskutieren.Jede Jugendorganisation hatte die Möglichkeit, ihre Maßnahmen und Ziele in der Bildungspolitik kurz vorzustellen – mehr Pädagogen forderten alle, nicht alle aber die Abschaffung des Notensystems. Die Vergleichbarkeit des Abiturs in Sachsen-Anhalt mit anderen Bundesländern und auch die Mobilität zwischen Schulen innerhalb Sachsen-Anhalts spielte eine große Rolle. Das Angebot an Kursen in kleineren Städten im Gegensatz zu Schulen in der Landeshauptstadt war von Seiten der Schüler ebenso Thema wie die von einigen wahrgenommene zu geringe Förderung gesellschaftswissenschaftlicher Fächer – in der Analyse, und auch in der Wertschätzung der für Schüler scheinbar sinnlosen Teile der Mathematik – nahmen sich die Jugendorganisationen wenig. Die Lösungen aber reichten von der Demokratisierung des Bildungssystems, wie die Grüne Jugend sie fordert, über die Abschaffung des Notenzwanges, wie Lukas Wanke von der Linksjugend sie vorschlug. Wichtig sei ein Ende der Sparpolitik bei Lehrerstellen, war sich das Podium einig – zusätzlich seien aber mehr Referendarsstellen zu schaffen, so Frank Wyszkowski von der Jungen Union, um die Ausstattung der Schulen, die bei momentan 102% vor Krankheit und damit zu knapp liege, so Tina Rosner von den @Jusos in der SPD, langfristig auszubauen.

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Guter Flüchtling – Schlechter Flüchtling

Natürlich kämen weder nur Akademiker noch nur Kriminelle , die ihre Zukunft in Europa suchten. Wer heute 18 sei, habe seit er 13 sei Krieg in seinem Heimatland Syrien erlebt, natürlich ist eine reguläre Schulbildung da oft nicht gegeben, so Tina Rosner. Die Schulpflicht ende aber in Sachsen-Anhalt nach neun Jahren nach Schuleintritt, dies sei in diesem Falle fatal. Gleichzeitig sei die Anerkennung von Berufsabschlüssen und akademischen Titeln ein Problem – auch aufgrund fehlender Dokumente, aber auch der deutschen Regularien. Dass Immigranten aufgrund ihrer Vorerfahrungen zumindest in höhere Ausbildungsjahre einsteigen könnten und nicht wieder im ersten Lehrjahr beginnen, sei längst fällig gewesen – dazu führte aber erst der Fachkräftemangel, so Frank Wyszkowski.

Die Jusos, die Linksjugend solid und die Grüne Jugend stellten klar, dass sie das Konzept der sicheren Herkunftsländer grundsätzlich ablehnten und eine Einzelfallprüfung immer unbedingt notwendig sei, angeführt wurden unter anderem die Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen in vielen afrikanischen Ländern, aber z.B. auch in Ungarn. Fluchtursachen seien außerdem nicht einfach zu differenzieren, so Tom Assmann von der Grünen Jugend, es gebe keine guten Flüchtlinge und schlechten Flüchtlinge, sondern Menschen, die Schutz und ein besseres Leben suchen.

Ob der Besitz und Konsum von Cannabis legalisiert werden solle, wollten die Schülerinnen und Schüler abschließend von den Podiumsteilnehmenden wissen. Ja, weil das Land in der Strafverfolgung andere Probleme hätte und Polizei und Justiz entlasten würden, meinte Tina Rosner (Jusos), ja, weil es angesichts der Folgeschäden gefährlichere Drogen wie z.B. Alkohol gebe, so Lukas Wanke von der Linksjugend [’solid] Sachsen-Anhalt.

Fotos: Jonas Walzberg Photographie