Was bringt mir Olympia eigentlich?

Trotz der frühen Stunde findet heute zwischen den ca. 70 Schülern am Helmut-Schmidt Gymnasium und den Podiumsgästen eine rege Diskussion statt.
Die erste Frage der Schüler: „Was machen wir, wenn Olympia teurer wird, als geplant?“ Detlef Ehlebracht (AfD-Fraktion) bezieht sich auf die Aussage von Bürgermeister Olaf Scholz: „Herr Scholz hat zugesichert, dass die Stadt Hamburg nicht mehr als 1,2 Milliarden selbst bezahlt.“, Carl Coste (Vertreter FDP-Fraktion) ergänzt: „Wir haben uns ein finanzielles Ziel gesetzt und mehr werden wir auch nicht bezahlen. Wenn der Bund uns keine Zuschüsse gibt, dann können wir Olympia eben nicht machen. Wir haben aber bewusst mit so viel Geld geplant, wir haben eigentlich den doppelten Preis genannt, den wir voraussichtlich brauchen, um möglichen Kostenexplosionen entgegen zu wirken.“

Großes Interesse herrscht auch am Thema Mietpreise: „Werden die Mieten während und nach Olympia nicht steigen?“ Sören Schumacher (SPD-Fraktion) ist überzeugt: „Der größte Schutz vor Mietsteigerungen ist, Wohnungen zu bauen und das tun wir für Olympia.“ Heike Sudmann (Fraktion Die Linke) widerspricht: „Nachdem Olympia in London stattgefunden hat, waren die wenig verdienenden Menschen plötzlich alle weg, weil die Wohnungen so teuer geworden sind. Olympia wird zu einer heftigen Mietsteigerung in Hamburg führen.“ Michael Rothschuh (STOP Olympia) fügt hinzu: „Das Mietniveau steigt insgesamt in der Stadt. Diese Steigerung, dadurch, dass ein Stadtteil aufgewertet wird, haben wir genau hier in Wilhelmsburg erlebt.“

Viele Schüler interessieren sich auch für die Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit dem Projekt: „Was passiert mit den Stadien nach Olympia?“ Detlef Ehlebracht (AfD-Fraktion) erklärt: „Das Olympiastadion soll zurückgebaut werden von 60.000 möglichen Zuschauern auf 20.000 und weitere Wohnungen sollen dort errichtet werden.“

Auf die Frage, ob Deutschland sich überhaupt in die Reihe der Olympia-Städte einreihen sollte, entgegnet Sören Schumacher (SPD-Fraktion): „Wer offene und demokratische Spiele mit Fairness haben will, wer Olympische Spiele haben will, die der Welt zeigen: es geht auch anders! Wer das will, der sollte für Olympia stimmen!“

Besonders wichtig ist den Schülern auch die Frage nach der Mobilität und der damit verbundene Ausbau der S- und U-Bahnlinien. Heike Sudmann (Fraktion Die Linke) sagt dazu, „dass auch ohne Olympia der Ausbau der Netze geplant ist und dass für Olympia nur 1,2 Kilometer neue U- Bahnstrecke ausgebaut werden soll.“

Detlef Ehlebracht (AfD-Fraktion) fasst zusammen: „Wir hören ja bei derDiskussion jetzt schon die Unsicherheit zur Frage Olympia. Keiner von uns hier hat so ein Riesenereignis wie Olympia schon mal organisiert. Deswegen brauchen wir Experten, die das prüfen, die uns genau sagen, wie das laufen soll und die uns bei der Umsetzung helfen. Das schaffen die aber nicht in so einer kurzen Zeit. Olympia insgesamt finden wir toll, aber Olympia 2024 kommt einfach zu früh!“

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Gleiches Podium, andere Schule: an der Staatlichen Gewerbeschule G18 empfangen uns ca. 100 diskussionsbereite Schüler.
Die erste Frage der Schüler: „Wie kommt es, dass für Hamburg Kosten entstehen können bei den Vorbereitungen für Olympia?“ Michael Rothschuh (STOP Olympia) sagt dazu, dass „alleine die Aufschüttung des Kleinen Grasbrook und die Umsiedlung der Unternehmen darauf sehr viel Geld veranschlagt.“

Besonders interessiert sind die Schüler auch an der Stadtentwicklung Hamburgs. Eine Frage dazu ist: „Was wird sich durch Olympia verändern und was würde sich nicht verändern, wenn es Olympia in Hamburg nicht geben würde?“ Sören Schumacher (SPD-Fraktion) sieht Hamburg dahingehend als Tor zur Welt. Er sagt: „Hamburg kann sich präsentieren. Olympia wird auch nach den drei Wochen nachwirken, es werden 8000 neue Wohnungen mitten in der Innenstadt entstehen, die Stadtentwicklung wird beschleunigt und dabei wird die Idee der Nachhaltigkeit bedacht.“ Und was kommt nicht? Detlef Ehlebracht (AfD-Fraktion) sagt dazu, „dass hauptsächlich die Kalkulationen gegeneinander aufgerechnet werden, aber die gesellschaftliche Veränderungen außer Acht gelassen werden. Der Olympische Gedanke und die Völkerverbindung können sehr viel in einer Stadt verändern.“ Heike Sudmann (Fraktion Die Linke) sagt ganz knapp dazu, was es nicht geben wird: „Die Verschuldung von Hamburg durch Olympia.“

Eine Frage, die nach einer vorangegangenen Diskussion auftauchte: „Haben wir uns schon für Olympia beworben und ist das Referendum in Wahrheit völlig unwichtig?“ Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) dazu: „Die erste Bewerbungsphase ist abgeschlossen, das ist richtig, aber nach dem Referendum kann diese Bewerbung jederzeit wieder zurückgezogen werden. Die Hamburger Bürger entscheiden und wenn für ‚Nein’ gestimmt wird, dann wird Hamburg seine Bewerbung zurückziehen.“

Immer wieder kam die Frage nach dem Wahrheitsgehalt und den tatsächlichen Zahlen auf. Eine Frage dazu: „Aber was gibt es für Fakten? Gibt es einen Plan? Momentan ist es mit zu viel ‚Ich glaube’ und ‚wir denken’“. Detlef Ehlebracht (AfD-Fraktion) sagt dazu: „Es gibt Material, Konzepte, einen Finanzreport. Aber was sind das für Zahlen? Lasst uns die Zeit nehmen. Erst danach kann man abstimmen. In der Eile und der Not macht man Fehler. Die Abstimmung ist zu früh. Wir mögen Olympia, können zu diesem Zeitpunkt aber nicht zustimmen, da die Zahlen nicht geprüft sind.“ Dazu noch Sören Schumacher (SPD-Fraktion): „Die Stadt hat sich lange Zeit genommen, einen Finanzplan zu erstellen. Wir versuchen durchaus aus dem Desaster der Elbphilharmonie zu lernen. Wir setzen uns dafür ein, dass realistische Zahlen auf den Tisch gelegt werden.“

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An dem dritten Standort für diesen Tag, an der Goethe-Schule Harburg erwarten uns ca. 150 diskussionsbereite Schüler.
Erste Frage der Schüler: „Hamburg wird während Olympia zum kompletten Gefahrengebiet erklärt. Das ist doch gar nicht erlaubt?“ Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) erklärt: „Richtig, Gefahrengebiete unterstützen wir als Partei auch absolut nicht. Vermehrter Einsatz von Polizeikräften soll anstatt von Militär, wie in London, zum Einsatz kommen.“ Sören Schumacher (SPD-Fraktion) ergänzt: „Polizeikräfte aus anderen Bundesländern werden hinzugezogen wie bei

Fußballspielen auch, durch diesen erhöhten Einsatz an Sicherheitskräften wird die Sicherheit gewährleistet.“
Eine weitere Frage, kam auf: „Warum wird das Geld nicht für Flüchtlinge ausgegeben?“ Dazu meint Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion): „Man darf Olympia und Flüchtlingshilfe so nicht zusammen sehen. Nur weil wir jährlich Geld für Olympia zurücklegen, heißt es nicht, dass wir nun nicht mehr den Flüchtlingen helfen. Das werden wir weiterhin tun und auch momentan ist das Problem dazu nicht das Geld.“
Vermehrt kam die Frage nach dem Nutzen von Olympia für die Schüler auf: „Was haben die Hamburger von Olympia, wenn sie sich selbst keine Karte leisten können und die Kosten immer weiter steigen werden?“ Sören Schumacher (SPD-Fraktion) sagt dazu: „Es geht um eine Idee für Hamburg, wie Hamburg in den nächsten Jahrzehnten in der Welt dasteht. Natürlich wird das Leben im Jahr 2024 durch Inflation teurer sein als heute, aber man kann bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, dass das an Olympia liegt.“ Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) fügt hinzu: „Zu den Ticketpreisen: es soll auch Sozialkarten geben, Schülertickets usw.; Sportplätze sollen aufgewertet werten, davon werden auch alle profitieren. Der HVV wird wahrscheinlich teurer werden, aber dafür werden die Linien besser ausgebaut und ihr könnt ein besseres Netz nutzen.“

Trotz vieler Pro-Olympia Argumente seitens Sören Schumacher (SPD-Fraktion) und Carl Coste (Vertreter der FDP-Fraktion) sprach sich ein Großteil der Schüler bei der Testabstimmung am Ende gegen Olympia in Hamburg aus.

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