Was ist uns Olympia eigentlich wert?

9.30 Uhr am Gymnasium Rissen, ca. 130 Schülerinnen und Schüler haben sich in der Aula der Schule eingefunden. Zusammen mit sechs Podiumsgästen soll die Diskussion über die Vor- und Nachteile von Olympia direkt starten.

Die erste Frage an diesem Morgen kommt von Moderator Thomas Richter: „Was würde sich positiv oder negativ für Hamburg bis 2024 entwickeln, wenn wir den Zuschlag für Olympia bekommen sollten?“ Daniel Oetzel (Vertreter der FDP-Fraktion) sieht durch Olympia viele positive Aspekte für Hamburg: „Olympia wird ein extrem großer Impuls für die Stadtentwicklung in Hamburg sein. Die Spiele werden uns extrem nach vorne bringen. Alleine der Ausbau der Infrastruktur würde für uns alle eine Erleichterung bedeuten.“ Olaf Duge von den Grünen erklärt erst einmal den Standpunkt seiner Partei: „Die Grünen haben es sich nicht leichtgemacht sich zu Olympia zu positionieren. Es gibt Punkte, die wir durchaus kritisch sehen aber auch viele positive Aspekte, die wir uns dadurch erhoffen. Deswegen sind wir für Olympia. Wir setzen uns dafür ein, dass es hier in Hamburg nachhaltige Spiele werden, dass Hamburg durch Olympia eine sozialere Stadt wird. Wir sehen Olympia als Katalysator für eine Chance auf Inklusion in der ganzen Stadt und dadurch ein besseres gemeinsames Miteinander.“ Norbert Hackbusch von der Fraktion Die Linke sieht die Bewerbung deutlich nüchterner: „Ich achte auf die Zahlen, die ausgegeben werden. Ich bin einfach dahingehend nicht so euphorisch wie alle anderen. Ich will nur eine Sache fragen: Wie viel ist uns das alles wert? Ich befürchte, dass wir durch 14 Tage Spiele hier nicht viel verändern können und dafür 11,2 Milliarden Euro ausgeben müssen. Ich finde, wir sollten das Geld für deutlich wichtigere Projekte hier in Hamburg nutzen.“ Annika Urbanski (Vertreterin der SPD-Fraktion) sieht dagegen die Vorteile für Hamburg: „Wir sind eindeutig für Olympia. Wir können die Infrastruktur deutlich verbessern. 2024 wird dann alles barrierefrei sein. Das sollte es jetzt eh schon sein, aber durch Olympia wird das alles sehr viel schneller gehen.“ Horst Domnick von STOP Olympia hat nur eine Hoffnung: „Meine Vision für 2024 ist, dass wir uns in die Reihe mit Oslo und München stellen und dass wir dem IOC die Rote Karte zeigen. Denn Olympia ist keine Sportveranstaltung mehr sondern einfach nur ein knallhartes Geschäft, bei dem es nur ums Geld geht.“ Abschließend äußert sich noch Detlef Ehlebracht von der AfD-Fraktion. Er ist zwiegespalten: „Olympia – Großsportveranstaltung. Das ist ja eigentlich ein super Ding. Der Olympische Gedanke ist toll. Aber problematisch ist einfach, dass wir in zwei Wochen darüber abstimmen sollen. Und das ist einfach zu früh. Um Informationen unter das Volk zu bringen, braucht man Zeit. Und all die Zahlen, die es bis jetzt gibt, sind nicht fundiert. Wir sagen im Moment nein zu Olympia, weil die Zahlen einfach nicht ausreichend geprüft sind.“

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Die erste Frage der Schüler bezieht sich auf den nachhaltigen Nutzen von Olympia: „Das Olympische Vorhaben wird doch viel weiter gehen als nur die 14 Tage Spiele. Wie sollen denn sonst die sozialen Projekte gezahlt werden, wenn ohne Olympia die Gelder vom Bund und vom IOC nicht nach Hamburg gebracht werden?“

Norbert Hackbusch (Fraktion Die Linke) meint: „Das IOC zahlt gerade genug für die Durchführung der Spiele, nicht mehr. Der Bau der Arenen, des Olympischen Dorfs usw. zahlen sie nicht. Das ist also die Aufgabe von Hamburg und vom Bund. Es gibt Forderungen nach 6,2 Milliarden Euro, die Hamburg an den Bund gestellt hat. Die sollen nämlich den Großteil bezahlen. Aber bis jetzt hat der Bund noch gar nicht gesagt, dass sie dieses Geld zahlen werden. Es ist momentan einfach nur ein Blankocheck, der nichts zu sagen hat.“ Daniel Oetzel (Vertreter der FDP-Fraktion) hält dagegen: „Aber Hamburg wird nur 1,2 Milliarden zahlen. Wenn die Bundesrepublik Deutschland sich mit Hamburg bei den Olympischen Spielen bewerben möchte, dann müssen sie eben den geforderten Teil zahlen. Es ist eine deutschlandweite Bewerbung für Olympia, mit Standort in Hamburg. Aber dieses angebliche unkalkulierbare Risiko gibt es nicht. Wenn der Bund sagt, er wird das geforderte Geld nicht zahlen, dann ist Hamburg raus. 1,2 Milliarden wird Hamburg zahlen, nicht mehr.“ Detlef Ehlebracht von der AfD-Fraktion hält sich allgemeiner: „Es ist ja nicht so, dass ohne Olympia Hamburg zurück ins Mittelalter fallen wird. Es ist auch jetzt der Bau einer neuen Bahn geplant, es werden Wohnungen gebaut und viel für die Infrastruktur getan. Durch Olympia würde sich das eben extrem beschleunigen. Aber auch ohne Olympia würden diese Veränderungen kommen.“ Norbert Hackbusch (Fraktion Die Linke) stellt dazu eine eigene Frage und gibt seine Antwort gleich dazu: „Die eigentliche Frage ist ja auch, wollen wir hier in Hamburg eigentlich Weltstadt werden? Ich will das nicht. Weltstadt werden ist eine Entwicklung, die sich für Hamburg nicht positiv äußern würde. Die Mietpreise würden explodieren, es würde zur Verdrängung kommen. Und das möchte ich für Hamburg nicht.“

Das allgemeine Wohnungsnotproblem, das sich durch Olympia noch weiter zuspitzen soll, sieht Annika Urbanski (Vertreterin der SPD-Fraktion) nicht: „Dadurch, dass wir die Firmen von dem Kleinen Grasbrook verschieben werden, haben wir auf jeden Fall etwas gewonnen. Und zwar Platz. Wir brauchen Platz um überhaupt neue Wohnungen bauen zu können. Und das ist durchaus ein Vorteil von Olympia, dass wir diesen neuen Wohnraum generieren können.“

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Eine weitere Frage eines Schülers ist: „Woher nimmt Hamburg die 200 Milliarden, die jährlich zurückgelegt werden sollen?“ Olaf Duge von den Grünen erklärt es so: „Wir haben hier im Etat von Hamburgs Haushalt jährlich ca. 14 Milliarden Euro zur Verfügung. Es wird dann überlegt, wofür man dieses Geld in Hamburg nutzen könnte. Und wir wollen dann von diesen 14 Milliarden Euro jährlich 200 Millionen zurücklegen, um so auf die Summe von 1,2 Milliarden zu kommen.“ Daniel Oetzel (Vertreter der FDP-Fraktion) möchte einen Wechsel des Blinkwinkels: „Wenn wir Olympische Spiele in Hamburg bekommen sollten, sollte man die Frage eigentlich ganz anders stellen. Wir sollten nicht fragen, was wir mit den 1,2 Milliarden Euro ohne Olympia machen könnten, sondern was wir für große Vorteile durch die 6,2 Milliarden haben werden, die wir durch den Bund zusätzlich bekommen würden.“

Detlef Ehlebracht von der AfD-Fraktion allgemein: „Es gibt ein Konzept, wie die ganze Planung für Olympia aussehen soll. Der Sportplatz hier nebenan wird davon wahrscheinlich nichts haben. Aber oft kam es schon in der Vergangenheit, dass durch Olympia ein Funken übergesprungen ist, der den Sportclubs im Breitensport einen Zulauf gebracht hat. Man muss sich bei all diesen Überlegungen aber einfach immer Zeit lassen. Wenn etwas unüberlegt gemacht wird, passieren Fehler. Deswegen bräuchten wir einfach mehr Zeit, um Olympia gewissenhaft zu planen.“

Die letzte Frage der Schüler ist: „Das Thema Flüchtlinge wurde noch gar nicht behandelt. Haben die denn davon auch was? Oder geht das Geld nicht mehr an sie sondern an Olympia?“ Detlef Ehlebracht von der AfD-Fraktion: „Erstens: die Politik muss ständig viele verschiedene Bälle in der Luft jonglieren. Man muss allen Problem gerecht werden. Man darf das eine Thema nicht gegen das andere ausspielen. Das muss differenziert gesehen werden. Aber man darf ja wegen dieser großer Not nicht komplett alles andere vernachlässigen.“ Daniel Oetzel (Vertreter der FDP-Fraktion) ist fassungslos, dass sich der Vertreter der AfD-Fraktion anmaßt zu sagen, dass viel für die Flüchtlinge getan werden muss. Zum Thema selbst sagt er: „Wir haben in Hamburg dahingehend eine große Verantwortung, das stimmt. Es wurden gerade 570 Millionen Euro für Flüchtlinge bewilligt. Geld ist nicht das Problem momentan im Zusammenhang mit Flüchtlingen. Es sind mehr die Probleme wie die Unterbringung und die Flächenfindung. Deswegen steht es auch nicht im Konflikt zu Olympia.“

Horst Domnick von STOP Olympia sagt zum Abschluss: „Ich möchte sagen, Alternativen, um ans Ziel zu kommen und Hamburg außerhalb der Grenzen Deutschland bekannt zu machen, wurden noch gar nicht geprüft. Ich glaube, wir schaffen das mit unserer Willkommenskultur definitiv auch ohne Olympia.“

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Die zweite Schule am heutigen Tag ist die Sophie-Barat-Schule in Hamburg. Hamburg1 ist heute wieder mit dabei und moderiert und filmt die ganze Veranstaltung.

Moderator Nico startet direkt mit einer kurzen Einführungsrunde, bei der sich die Podiumsgäste kurz vorstellen können und ihren Standpunkt für oder gegen Olympia darstellen sollen. Zu Beginn der Diskussion fragt Nico nach einem ersten Stimmungsbild der Schüler. Ein Großteil der Schülerschaft zeigt die grüne Karte in die Höhe. Es gibt aber auch einige Schüler, die die rote oder keine Karten zeigen.

Die erste Frage ist auch direkt eine Schülerfrage: „Was bleibt uns von dem Spitzensport nach Olympia für die Hamburger?“

Andreas Dressel (SPD-Fraktion) erklärt: „Es wird ein Großteil der Finanzen in den Ausbau und die Sanierung der Sporthallen gesteckt, die wir ja jetzt schon hier in Hamburg haben. Das Olympiabad wird ein großes Freizeit- und Spaßbad. Wir erhalten ein komplett neues Stadion. Und da haben natürlich alles was von.“ Carsten Ovens (CDU-Fraktion) denkt noch weiter: „Die Spiele werden nachhaltig den Stellenwert des Sports in Hamburg steigern. Davon profitieren wir doch alle. Wir als Sportler im Breitensport freuen uns ja auch über Anerkennung für unsere Leistung.“ Olaf Duge von den Grünen ergänzt: „Wir dürfen auch nicht die Paralympischen Spiele vergessen. Dadurch werden viele Stadtteile hier in Hamburg barrierefrei werden. Die Inklusion wird viel besser funktionieren.“ Bijan Tavassoli (Vertreter der Fraktion Die Linke) wirft ein: „Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich traurig, wenn wir die Paralympischen Spiele brauchen, um Menschen mit Behinderungen in unseren Alltag zu integrieren; wir brauche keine Schwimmbäder und Bolzplätze und keine Riesenhallen mit Tribünen, die keiner nutzen würde.“ Und auch Rainer Behrens von STOP Olympia stellt klar: „Es wird immer so getan, als ob der IOC das alles bezahlen würde. Aber erst mal betrifft diese Aufwertung der Sportplätze die meisten Stadtgebiete gar nicht. Und außerdem ist ja auch die Frage, wer diese Sanierungen bezahlen wird. Im Endeffekt würde das durch den Bund, also uns, die Steuerzahler, bezahlt werden.“ Daniel Oetzel (Vertreter der FDP-Fraktion) sieht das anders: „Natürlich können wir auch ohne Olympia in die Stadt, den Sport oder die Infrastruktur investieren. Aber wir würden durch Olympia so viele Gelder bekommen, die Hamburg alleine nicht hätte, dass die ganze Sanierung der Stadt deutlich schneller voran gehen würde.“

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Die nächste Frage eines Schülers ist: „Wenn der IOC 2017 entscheidet, wer den Zuschlag bekommt, bleiben ja noch sieben Jahre Zeit. Ist denn so etwas wie eine Agenda 2024 geplant für den Spitzen- und Breitensport? Und bleibt überhaupt genügend Zeit um alles rechtzeitig fertig zu stellen?“

Andreas Dressel (SPD-Fraktion) stimmt dem Schüler zu: „Ja, das stimmt, das wird sportlich. Und klar, Olympia kann nicht drei Monate später stattfinden, es muss zum geplanten Zeitpunkt fertig sein. Aber das ist eben auch das Positive an Hamburg. Wir können hier viele Sportstätten, die es schon gibt, sanieren und benutzen. Also die schon vorhandenen Möglichkeiten nutzen.“ Carsten Ovens von der CDU-Fraktion pflichtet ihm bei: „Also wenn man Hamburg mit anderen Olympiastädten vergleicht, sind wir schon jetzt sehr weit fortgeschritten in der Planung. Wir haben schon ausgearbeitete Konzepte, die weiter sind als viele andere Städte. Wir wollen transparent sein und ich glaube, dass wir die Voraussetzungen haben, die Planungen und die Umsetzungen für Olympia zu meistern.“ Bijan Tavassoli (Vertreter der Fraktion Die Linke) greift ein: „Wir wissen ja aber noch gar nicht, ob der Bund uns die 6,2 Milliarden geben wird. Und selbst wenn sie uns das Geld geben: Wer sagt denn, dass es nicht trotzdem noch viel teurer wird? Dann wird Hamburg den Rest zahlen müssen. Und das Risiko will ich nicht tragen müssen.“

 

Carsten Ovens von der CDU-Fraktion sagt noch einmal allgemein, als viele negative Beispiele für ein mögliches Scheitern angesprochen werden: „Mir gefällt es nicht, dass immer nur die schlechten Beispiele genannt werden für Dinge, die in Hamburg nicht geklappt haben. Natürlich war die Elbphilharmonie finanziell nicht gut geplant. Aber was ist mit dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf? Das wurde für 350 Millionen neu saniert. Und da wurde es im Endeffekt sogar noch günstiger. Mir gefällt es einfach nicht, dass immer nur die negativen Beispiele genannt werden hier.“ Prof. Dr. Jörn Kruse von der AfD-Fraktion erklärt noch mal: „Natürlich gibt es bei so einem Großprojekt wie Olympia auch ein Risiko. Aber wir hätten ja sieben Jahre Zeit, wenn wir den Zuschlag 2017 bekommen sollten, diese Risiken möglichst zu minimieren. Olympia ist nicht nur ein Rechenexempel, es wird Begeisterung hervorrufen. Wir werden sportbegeisterter werden, als wir ohnehin schon sind. Ich war 1972 selbst in München dabei. Die Stimmung war unglaublich und diese Stimmung hätte ich auch gerne 2024 in Hamburg.“

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Die nächste Frage betrifft die Wohnungssituation und wie der Kleine Grasbrook mit Wohnungen ausgestattet werden soll. Andreas Dressel von der SPD-Fraktion findet: „Wir brauchen ganz dringend neue Wohnungen. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Und ich finde, da kommt Olympia genau recht. Denn ohne Olympia würden wir die Fläche vom Kleinen Grasbrook nicht erschließen können. Es soll alleine im Olympiastadion 400 Wohnungen entstehen, wenn es von 60.000 auf 20.000 Sitzplätze zurückgebaut wurde. Und außerdem sollen auch weitere 8000 Wohnungen auf der Fläche dort entstehen. Davon werden 1/3 geförderte Wohnungen sein. Diese Wohnungen hätten wir ohne Olympia nicht.“ Rainer Behrens von STOP Olympia hat Einwände: „Natürlich brauchen wir in Hamburg Wohnungen wie verrückt. Aber was wir natürlich nicht brauchen, sind neue Luxuswohnungen, die sich kaum jemand leisten kann. Die Hafencity soll auf den Kleinen Grasbrook verlagert werden und da wisst ihr auch, wer sich so was dort leisten kann. Die Wohnungsnot wird immer schlimmer. Klar, gibt es dann einmalig 2000 neue Sozialwohnungen. Aber jedes Jahr fallen in Hamburg 10.000 Wohnungen aus dem geförderten Angebot hinaus.“ Über diese Aussage regt sich Olaf Duge von den Grünen auf: „Man muss nicht so tun, als ob alles hier nur neues Luxuswohnungen werden. Wir bauen jedes Jahr 6000 neue geförderte Wohnungen, es werden auf dem Kleinen Grasbrook über 2000 Sozialwohnungen entstehen. Und dann kann man nicht sagen, dass es immer alles nur für Reiche sein soll.“ Prof. Dr. Jörn Kruse von der AfD-Fraktion sieht das Problem allgemeiner: „Wir brauchen neue Wohnungen für alle Preiskategorien. Das heißt nicht, dass wir nur neue Sozialwohnungen brauchen, wir brauchen einfach allgemein neue Wohnmöglichkeiten. Passiert das nicht, wird es natürlich zu weiteren Mietsteigerungen kommen, unabhängig von Olympia.“

Eine direkte Frage aus dem Publikum, zu der Infrastruktur während Olympia, richtet sich an Olaf Duge von den Grünen. Dazu sagt er: „Olympia schafft uns eine Möglichkeit, den Verkehr nicht nur neu zu planen sondern auch zu verändern. Die zunehmende Verstopfung merkt man ja jetzt schon. Das Schienennetz muss ausgebaut werden. Der Ausbau des Hauptbahnhofes muss vorangetrieben werden. Des Weiteren wollen wir den Nahverkehrsanteil anheben. Wir sind schon dabei, aber durch Olympia würde das noch alles beschleunigt werden. Plan ist, dass viele, die heute vielleicht mit dem Auto kommen müssen, dann aufs Rad umsteigen können.“ Einwände kommen von Rainer Behrens von STOP Olympia: „Natürlich brauchen wir einen Ausbau der Hamburger Verkehrsnetze. Aber brauchen wir dafür Olympia? Wir hätten durch Olympia nur die Anbindung zum Kleinen Grasbrook, die neu gebaut werden würde. All diese Dinge würden sich auch finanzieren lassen, wenn es Olympia nicht geben würde; der Bund gibt da ja auch Geld dazu.“

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Zuspruch bekam eine Schülerin durch ihre Schulkameraden für die Frage: „Was passiert mit den Sportvereinen während Olympia? Können wir dann alle nicht mehr trainieren?“

Rainer Behrens von STOP Olympia erklärt nüchtern: „Ich denke, während der 2-3 Wochen würden die Sportstätten den Spitzensportlern zur Verfügung gestellt werden. Und dann passiert es natürlich, dass es schon so sein wird, dass der Breitensport dann nicht trainieren kann.“ Bijan Tavassoli von der Fraktion Die Linke sieht das noch kritischer: „Erst mal finde ich es toll, dass ihr euch auch für die kurzfristigen Beeinträchtigungen interessiert, denn das ist ja auch nicht nur drei Tage so. Der Bahnverkehr und die Sportvereine werden Olympia extrem zu spüren bekommen. Und viel der Spitzensportler werden wahrscheinlich schon deutlich früher nach Hamburg kommen als nur für die zwei Wochen.“ Daniel Oetzel (Vertreter der FDP-Fraktion) schüttelt den Kopf: „Aber man muss doch einfach auch den langfristigen Erfolg von Olympia sehen. Die Sportflächen, die man dann vielleicht zwei Wochen nicht benutzen kann, sind danach komplett aufgewertet und saniert. Nur durch Olympia wird das doch alles überhaupt möglich.“ Prof. Dr. Jörn Kruse (AfD-Fraktion) beruhigt außerdem: „Niemand muss auf Sport verzichten. Oft ist es so, dass man dann für die paar Wochen in einem anderen Sportverein in der Nähe trainieren kann. Außerdem wollen viele in der Zeit bestimmt gar nicht selbst Sport machen, sondern sich bei Olympia die Spiele angucken.“

Der letzte Themenblock dreht sich um die Finanzierung von Olympia. Die Zahl 6,2 Milliarden Euro bleibt hängen, die der Bund für die Spiele zahlen soll. Dazu kommt die Frage: „Was würde die Stadt Hamburg machen, wenn der Bund die Gelder von 6,2 Milliarden nicht bewilligen sollten?“

Andreas Dressel (SPD-Fraktion)stellt klar: „Hamburg hat gesagt, dass sie nicht mehr als 1,2 Milliarden bezahlen werden. Olympia ist eine nationale Geschichte. Deutschland bewirbt sich mit Hamburg als Standort. Wenn der Bund jetzt sagt, sie werden die Summer von 6,2 Milliarden nicht zahlen, dann ist Hamburg raus. Das ist das letzte Wort des Bürgermeisters.“ Rainer Behrens von STOP Olympia wirft jedoch ein: „Das sind alles Schätzzahlen, die momentan vorgelegt werden. Kein Architekt hat bisher irgendeinen Bauplan erstellt, nur 10 Prozent mehr Kosten wären schon 1 Milliarde Euro. Und das wäre eine riesen Belastung für den Hamburger Haushalt.“

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